Da: “www.salzburg.com“ Wien (APA) – Freitag 18 März 2005
Nadeltausch- und Opiat-Ersatzprogramme statt Stigmatisierung und Kriminalisierung der Süchtigen. Ermöglichung von legalem Opiumanbau in Afghanistan statt Vernichtung der Mohnkulturen durch giftige Chemikalien. Diese Forderungen stellte am Mittwoch der Drogenpolitik-Think-Tank Senlis Council, ein Netzwerk von Wissenschaftern und Politikexperten, in Wien. Schon bald will man mit einer Machbarkeitsstudie für legalen Mohnanbau beginnen.
“Es gibt weltweit einen Mangel an Morphium und Codein für die Schmerzbehandlung. Er entspricht einem Bedarf an 10.000 Tonnen Opium als Rohmaterial. Afghanistan produziert derzeit rund 4000 Tonnen Opium pro Jahr. Man könnte also die gesamte Opiumproduktion dafür nützen, diesen Markt zu reorganisieren”, führte Emmanuel Reinert, Mitglied des Senlis Councils, aus. “Im Moment braucht die afghanische Volkswirtschaft Opium zum Überleben. Unsere Lösung würde es Bauern weiterhin erlauben, Opium anzubauen, aber für den legalen Markt statt für die illegale Heroinproduktion”, sagte er. Er sprach sich massiv gegen US-Pläne zur chemischen Vernichtung der Opiumernte aus der Luft aus.
Auch die ablehnende Haltung der USA gegenüber Nadeltausch- und Drogensubstitutionsprogrammen kritisierten die Experten. Massimo Barra, Vizepräsident der internationalen Rot-Kreuz- und Roter-Halbmond-Gesellschaften: “Millionen werden Opfer von HIV und Aids durch Drogenkonsum. Wenn man den Süchtigen saubere Nadeln gibt, ist das nicht Komplizenschaft, sondern humanitäre Hilfe. Stigmatisierung hilft nicht.”
Auch das österreichischen Rote Kreuz betonte, wie wichtig der freie Zugang zu sterilen Spritzen sei – HIV-infizierte Nadeln seien eines der größten Probleme bei der Ausbreitung von Aids.