Servizi

Geleitwoerter

Da: “Henry Dunant – Der Grunder des Roter Kreuzes“ Ed. Aussaat 2009 Germany
MASSIMO BARRA Stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Roten Kreuzes Ständige Kommission

Ich freue mich sehr, diese schöne und gehaltvolle in italienischer Sprache verfasste Biografie über den Rotkreuz-Begründer Henry Dunant einleiten zu dürfen. Schon als Präsident des Italienischen Roten Kreuzes hatte ich die wissenschaftliche Forschung zur Geschichte des Roten Kreuzes angespornt – nicht nur zur italienischen Nationalgesellschaft. Ich denke, dass in den über 150 Jahren Geschichte viele Werte und Persönlichkeiten versammelt sind, die dieser grandiosen Idee Ehre gemacht haben.

Mit Paolo Vanni habe ich meinen „Mentor” gefunden, der hier in Italien die ersten ernsthaften Forschungen zum Ursprung des Roten Kreuzes und gerade zu seinem wahren Gründer, Henry Dunant, angestellt hat. Ich weiß genau, dass der nationale Delegierte und die Geschichtsstellen des Italienischen Roten Kreuzes, die von mir ins Leben gerufen und gesponsert wurden, zurzeit an unterschiedlichen Themenkomplexen arbeiten. Dazu zählen die Memoires von Henry Dunant, seine gesamten Werke und die Schriften der ersten Mitglieder des Internationalen Komitees. Nun erscheint diese Biografie, die aus einer ganz anderen Richtung kommt und einen wertvollen Beitrag sowohl aus historischer Sicht als auch als gemeinverständliche Darstellung des tragischen Abenteuers unseres großen Henrys leistet.

Über die bekannten Tatsachen hinaus ist das vorliegende Werk durch seine tiefschürfende Rekonstruktion der historischen Zusammenhänge, in de¬nen sich das dramatische Leben Henry Dunants abspielte und die große Institution aufgebaut wurde, außerordentlich interessant. Sehr beeindruckend sind die weniger bekannten Passagen über die zwanzig Jahre Elend und Verzweiflung nach dem Bankrott von 1867! Sie nehmen Bezug auf Quellen für Fachleute wie z. B. die Memoires, die deutschsprachige Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes von Rudolf Müller und die Schriften der Societe Henry Dunant, die in der Regel nur dem kleinen Publikum der Gesellschaftsmitglieder vorbehalten sind.

Auch der Teil zur Würdigung und Versöhnung der „beiden Rivalen” Moynier und Dunant, die von Ador vorgenommen wurde, ist in vielerlei Hinsicht ergreifend. Insgesamt liegt hier ein Werk wahrer Erinnerung und Ehrung für „unsere” große Einrichtung vor, das die Italiener lesen sollten. Insbesondere wünsche ich mir, dass dieses Buch von allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Italienischen Roten Kreuzes gelesen wird, damit sie verstehen können, dass einige noch ungelöste Konflikte ihren Ursprung in weit zurückliegender Vergangenheit haben und damit quasi Wesenszüge der Bewegung sind.
Auf der einen Seite stehen die visionären und wahnwitzigen Ideen derjenigen, deren Herz jedes Hindernis überspringt -manchmal ohne große Überlegung. Auf der anderen Seite findet man die Menschen der Ordnung, die für die Systematisierung des Werkes notwendig sind. Der Konflikt Dunant-Moynier ist im „Volk” des Italienischen Roten Kreuzes noch immer gegenwärtig, das manchmal unbewusst den unterschiedlichen Perspektiven der beiden großen Vorgänger folgt. Mit anderen und klareren Worten: Nach 150 Jahren bestehen noch immer die idealistische und die bürokratische Prägung nebeneinander — sowohl unter den Befürwortern des Roten Kreuzes als Freiwilligengesellschaft als auch unter denen, die darin vorwiegend eine öffentliche Einrichtung sehen. Auf einer Seite steht gütiges Handeln und auf der anderen bürokratischer Wille. Dass der legendäre Begründer nie zum IKRK-Vorsitzenden gewählt wurde, besagt einiges darüber, zu welcher Seite das Pendel der Geschichte meist ausschlug. Und das ist wirklich Schade.

,